Alles Quote, oder was?

Sie ist dieser Tage mal wieder in aller Munde: die Frauenquote und mit ihr die Diskussion darüber, wie wir es am besten schaffen, dass Frauen und Männer gleichberechtigt in allen Gremien der politischen und gesellschaftlichen Arenen repräsentiert sind.

Generell ist das eine wichtige Diskussion, die gerne öfter auf der Tagesordnung stehen darf. Warum reden wir aber fast ausschließlich über „die Quote“? Das Thema muss viel breiter diskutiert werden. Natürlich ist die Quote das wichtigste Fundament für gelebte Gleichberechtigung. Ohne sie haben wir keine Chance auf wirkliche Veränderung. Aber im Grunde ist sie erst mal „nur“ ein Werkzeug. Es liegt an uns, was für gesellschaftliche Rahmenbedingungen wir damit erschaffen wollen. Denn echte Gleichstellung im Alltag – auf der Arbeit, im Verein oder in der Kommunalpolitik – erreichen wir nur, wenn wir Frauenquoten auch dort mit Leben füllen können.

„Echte Gleichstellung im Alltag erreichen wir nur,

wenn wir Frauenquoten auch dort mit Leben füllen können.“

Selbst bei uns Grünen – und da müssen wir ehrlich bleiben – wird die Parität zwar schon seit Jahrzehnten gelebt, ist aber keineswegs in allen Situationen unumstritten oder einfach zu handhaben.

Als ehrenamtliches grünes Kreistagsmitglied freue ich mich natürlich, dass ich eine faire Chance auf einen Listenplatz bekommen habe und meine Fraktion mit 4 Frauen und 2 Männern das perfekte Beispiel für eine funktionierende Frauenquote ist. Doch insgesamt sind von den 61 Mandatsträger:innen des Kreistages Nordwestmecklenburg gerade mal 17 Frauen. Wie würde sich diese Zahl und mit ihr unsere Arbeit in den Gremien ändern, wenn die CDU eine Quote einführen würde? Food for thought, wie man im Englischen sagt.

Dass wir alle Heldinnen sind, daran habe ich keinen Zweifel.

Wir sollten aber selbst entscheiden können, wann wir unser Cape anziehen.“


Solange es für eine Frau das Karriereende bedeutet, wenn sie ein Kind bekommt oder der Papa nicht ins Erziehungsjahr geht, weil die Familie auf sein Einkommen angewiesen ist, werden wir keinen wirklichen gesellschaftlichen Wandel vollziehen. Solange Frauen den Hauptteil der Care-Arbeit in unseren Familien verrichten, werden wir es trotz paritätischer Regelungen schwer haben, sie zum Mitmachen zu motivieren.

Wir müssen uns als Gesellschaft fragen: Wie wichtig ist uns die Stimme der Frauen? Ich weiß, dass an dieser Stelle nicht nur Frauen, sondern auch ein Großteil der Männer antworten werden: „Genauso wichtig wie die Stimme der Männer und noch viel zu leise!“
Dann muss es im Anschluss auch möglich sein, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen kritisch anzuschauen und dort anzupassen, wo eine Frau zur Superwoman werden muss, um sich einzubringen. Dass wir alle Heldinnen sind, daran habe ich keinen Zweifel, aber wir sollten selbst entscheiden können, wann wir unser Cape anziehen.

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